Ein Beispiel für meine Archivierungsarbeit

Blick in mein Archiv-Atelier: Objekte aus dem Archiv der früheren Katholischen Kirchgemeinde Alvaschein.
Blick in mein Archiv-Atelier: Objekte aus dem Archiv der früheren Katholischen Kirchgemeinde Alvaschein.

Im Winter 2015/16 begann ich im Auftrag der katholischen Kirchgemeinde Alvaschein mit der Sichtung und der Bestandesaufnahme des Archivs der Kirchgemeinde und der Pfarrei. Es bot sich ein tristes Bild: Das Archivgut lag verstreut an verschiedenen Orten. Die Dokumente in der Sakristei und jene im dortigen Safe litten unter Feuchtigkeit und waren teilweise bereits vom Schimmelpilz befallen. Die älteste Urkunde von 1392 zum Kloster Mistail ist durch Mäusefrass unkenntlich geworden. Doch die Kirchgemeindeleitung unter dem Vorsitz von Adelheid Hohlwelger war festens Willens, aus dem desolaten Zustand ein gut organisiertes und gepflegtes Archiv zu machen. Damit hat die Kirchgemeinde einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Kirchen- und Kulturgeschichte Mittelbündens geleistet. Denn die Kirchgemeinde Alvaschein besitzt mit der einzigartigen karolingischen Kirche Mistail auch ein wichtiges Kulturdenkmal Graubündens.

Archivieren bedeutet oft, zunächst einmal Ordnung in ein Chaos von Schriften, Büchern, Fotografien und Bildern zu bringen. Die Vorgehensweise ist immer gleich. Zuerst muss ein Grobverzeichnis aller Dokumente erstellt werden und die konservatorische Beurteilung stattfinden. Sodann gilt es, eine Reihenfolge zu finden, die dem überlieferten Schriftgut und seiner Organisation entspricht und endlich auch das Auffinden der Akten garantiert. Denn schliesslich soll ein Archiv benützt werden können und muss aus diesem Grund einen logischen Aufbau besitzen. Nach dem Erstellen eines provisorischen Archivplans beginnt die eigentliche Arbeit des Archivierens. Serien müssen gebildet werden, Akten verzeichnet und in archivtaugliche Behältnisse abgelegt werden Häufig gilt es, konservatorische Massnahmen zu treffen. Diese sind mitunter sehr dringend. Etwa wenn Schimmel oder Rostklammern am Archivgut nagen.

Vorher

Auslegeordnung in der Sakristei. Die Akten lagen ungeordnet und ungeschützt vor Staub und Feuchte in einem alten Aktenschrank.

Das Bruderschaftsbuch aus dem 17. Jahrhundert ist ein wichtiges historisches Zeugnis. Der Ledereinband war von Schimmelpilz befallen.

Nachher

Das Archiv in Alvaschein nach der Bearbeitung. Schriftgut wie Akten und andere Objekte wie Bilder, Kleider oder Devotionalien wurden in speziellen Archiv-Schachteln verstaut. Aus konservatorischen Gründen werden auch die Bücher in Schachteln aufbewahrt.

Ins Archiv aufgenommen wurden auch die historischen Marien-Büsten, wie diese Prozessions-Madonna. Sie wurde sanft gereinigt und mit leinernen Tüchern vor Staub geschützt.

Archivgerecht zu verpacken waren zudem Kleidungsstücke wie liturgische Gewänder und das Ornat von Maria und Jesuskind. Für die Archivierung der Kleider wurden säurefreie Textilschachteln mit säurefreiem Seidenpapier ausgekleidet.

Zeitungsbericht zum neuen Archiv

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Artikel im "Pöschtli" über das neue Archiv in Alvaschein Teil 1
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und Teil 2
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